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Fair! Was auch sonst? Fair Trade Kampagne 2021

Produkte aus dem Fairen Handel - „Baumwolle und Bekleidung“

Unsere Kleidung im Spannungsfeld zwischen Grundbedürfnis und modischer Massenware

Donnerstag, 4. März 2021, 19.45 Uhr

Referentin: Dorothee Kolbe, Aktion Hoffnung - Hilfe für die Mission GmbH

 
 

Woraus besteht die neue schicke Bluse und wie ist sie entstanden? Was sind die Auswirkungen der Textilproduktion auf Mensch und Natur? Kleidung bewusst einkaufen, ist das überhaupt möglich? Und was mache ich mit der Hose, wenn sie nicht mehr passt?
 
Als Referent begrüßt Sie an diesem Abend Dipl.-Geoökologin Dorothee Kolbe. Frau Kolbe arbeitete über fünf Jahre lang in Projekten zum Ressourcenschutz in Ländern Westafrikas, unter anderem im Baumwollanbau in Mali. Seit 2011 ist sie für die gemeinnützige Organisation „aktion hoffnung", die Kleiderspenden in finanzielle Projektunterstützung umwandelt, tätig. Auch dadurch verfügt Frau Kolbe über weitreichende Kenntnisse zum globalen Kleidermarkt.

 
 
 

Informationen zum genauen Ablauf der Online-Veranstaltung erhalten Sie nach Ihrer Anmeldung.
 
Anmeldungen sind unter Tel. (0 73 00) 96 11 -0, per E-Mail an kursanmeldung@kloster-roggenburg.de oder online in unserem Veranstaltungskalender möglich.

 
 
 

„Ich mache deine Kleidung“ - Die starken Frauen aus Süd Ost Asien

Eine Fotoausstellung von FEMNET

 
 
 

Stationen eines T-Shirts

Weltkarte Stationen eines T-Shirts

1. Station: USA
Baumwolle wird auf riesigen Feldern intensiv gedüngt und gewässert. Für ein T-Shirt werden durchschnittlich 1,5 Kilogramm Saat-Baumwolle benötigt und 15.000 Liter Wasser versprüht.
China und Indien sind mit über 6 Mio. Tonnen Baumwolle pro Jahr die Hauptproduzenten. Gefolgt von den USA mit ca. 3 Mio. Tonnen pro Jahr.
 
 

2. Station: China
Die Rohbaumwolle wird in großen Textilfabriken versponnen, verstrickt, gebleicht und gefärbt. Unser T-Shirt gibt bei seiner Herstellung etwa 6 bis 7 Kilogramm Kohlendioxid an die Umwelt ab. Gleichzeitig kommt bis zu 6 Kilogramm Chemie zum Einsatz.
 
3. Station: Bangladesch
In Billiglohnländern rattern die Nähmaschinen im Akkord. Vier Millionen Näherinnen sind in Bangladesch im Einsatz. Der Lohn: 17 Cent pro Stunde. Das entspricht etwa einem Prozent des Verkaufspreises.
 
4. Station: Deutschland
Bevor unser T-Shirt beim heimischen Händler in der Auslage liegt, hat es schon 30.000 Kilometer hinter sich gebracht. Jedes vierte Kleidungsstück wird inzwischen online bestellt. Davon werden 50 Prozent wieder zurückgeschickt - bei Damenoberbekleidung sind es sogar 70 Prozent.
 
5. Station: Zuhause
Ein Marken T-Shirt, das 55-mal in der Waschmaschine landet, verbraucht 350 bis 400 Liter Wasser und trägt zum CO2-Ausstoß 3,3 Kilogramm bei. Wird es zusätzlich getrocknet und gebügelt, verdreifacht sich dieser Wert auf 10,7 Kilogramm. Wird die Wäsche statt bei 60 Grad Celsius im 40 Grad Celsius-Waschgang gewaschen, reduziert sich der Energieverbrauch der Waschmaschine um die Hälfte.
 
6. Station: Afrika
Wenn das T-Shirt dann irgendwann im Altkleidersack landet, ist sein Leben oft noch nicht zu Ende. Viele Altkleider landen in Afrika. Dort machen sie der heimischen Textilindustrie Konkurrenz. Schätzungen zufolge wird in vielen afrikanischen Ländern der Bedarf an Bekleidung zu 60 bis 70 Prozent durch Altkleider-Importe gedeckt.

 
 
 

Die Preiszusammensetzung eines T-Shirts

Die Preiszusammensetzung eines T-Shirts

Preiszusammensetzung errechnet am Beispiel eines T-Shirts von H&M für 4,95 Euro
Quelle: Femnet, 03.02.2021
 
Lohnanteil     2,6 %
Konfektion     19 %
Kosten im Produktionsland gesamt     27 %
Material     8 %
Transport     1,2 %
Kosten und Gewinn H&M     13 %
Einzelhandel (Ladenmiete, Personal, Gewinn des Ladens, Mehrwertsteuer)     58 %

 
 
 

Informationen rund um Baumwolle

Woher kommt die Baumwolle für unsere Kleidung?
Die Baumwollpflanze stammt ursprünglich aus den regenreichen und warmen Tropen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Heute wird Baumwolle in über 70 Ländern auf allen sechs Kontinenten der Welt produziert. Hauptproduzenten sind China und Indien mit einem Erntevolumen von jeweils über 6 Mio. Tonnen Baumwolle pro Jahr, gefolgt von den USA mit etwa 3 Mio. Tonnen pro Jahr.
 
Wie wird Baumwolle angebaut?
Eigentlich ist Baumwolle eine mehrjährige Pflanze. Doch um möglichst hohe Erträge zu erzielen, wird sie heute meistens einjährig kultiviert. Obwohl Baumwolle ursprünglich aus den warmen und feuchten Tropen stammt, wird sie heute hauptsächlich in Trockengebieten angebaut. Denn für die Baumwollernte ist Regen äußerst ungünstig. Die watteähnlichen Knospen würden sich mit Wasser vollsaugen und verfaulen.
Wasser braucht die Pflanze trotzdem jede Menge. Der Baumwollanbau für ein einziges T-Shirt verschlingt bis zu 2.000 Liter - mehr als zehn Badewannen voll. Deshalb müssen rund die Hälfte der weltweiten Baumwollanbauflächen künstlich bewässert werden - eine riesige Verschwendung von wertvollen Süßwasserreserven mit verheerenden ökologischen und sozialen Auswirkungen.
 
Was sind die Folgen der künstlichen Bewässerung?
Die künstliche Bewässerung auf den Baumwollfeldern führt zu einer Versalzung der Böden und zu einem Rückgang der Erträge. Außerdem lässt sie den Grundwasserspiegel sinken und gräbt vielen Menschen das Trinkwasser ab. Auch die Landwirtschaft hat unter den Folgen zu leiden. Durch die wachsende Versalzung der Böden und des Wassers gehen die Erträge zurück. Die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte ist durch den übermäßigen Pestizideinsatz gering. Die Grenzwerte für Pestizidrückstände in Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln werden in vielen Gebieten häufig überschritten.
 
Beispiel Aralsee
Ein besonders trauriges Beispiel für die dramatischen Folgen des industriellen Baumwollanbaus ist die Geschichte des Aralsees. Bis 1960 galt der Aralsee als viertgrößtes Binnenmeer der Welt. Mit einer Fläche von knapp 68.000 km² war er fast so groß wie Bayern. Heute erstreckt sich der See nur noch über etwa 21.000 km² - 70 Prozent des Sees sind ausgetrocknet. Grund für das Austrocknen des Aralsees ist die intensive Bewässerungslandwirtschaft in der Region. Vor allem für den Baumwollanbau werden die Zuflüsse des Aralsees umgeleitet.
Für die dort lebenden Menschen ist dies eine Katastrophe. Selbst in dem kleinen Restsee ist vom einstigen Fischreichtum nichts mehr übrig. Die hohe Salzkonzentration und die aus der Landwirtschaft eingetragenen Pestizide haben die meisten Fischarten ausgerottet. Das Trinkwasser ist knapp und mit Pflanzengift belastet. Die in der Region häufig vorkommenden Stürme wirbeln den mit Pflanzengiften verseuchten Sand und das zurückgebliebene Salz der ausgetrockneten Seefläche auf. Erhöhte Krebsraten, genetische Defekte und Kindersterblichkeit sowie Erkrankungen der Atemwege und der Augen sind die Folge.
 
Wie hoch ist der Einsatz von Pestiziden im Baumwollanbau?
Das warme Klima und der bewässerte, feuchte Boden fördern die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen, wie zum Beispiel Weiße Fliegen, Kapselraupen und Blattläuse. Zur Bekämpfung dieser werden große Mengen Pestizide eingesetzt. Pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20-mal mit Ackergiften aller Art besprüht. Überall dort, wo Baumwolle maschinell gepflückt wird, kommt kurz vor der Ernte auch noch einmal ordentlich Gift auf das Feld. Denn um die Pflückmaschinen effektiv einsetzen zu können, müssen die Pflanzen chemisch entlaubt werden. Außerdem provoziert eine chemische Entlaubung ein schnelles Reifen der bis dahin noch unreifen Kapseln.
Obwohl Baumwolle nur auf 2,5 Prozent der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche angepflanzt wird, werden 16 Prozent aller Insektizide auf Baumwolläckern verspritzt. In Indien, dem zweitgrößten Baumwollproduzenten der Welt, gehen mehr als die Hälfte aller Pestizide in den Baumwollanbau, obwohl dieser nur fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnimmt. Für kein anderes landwirtschaftliches Anbauprodukt werden so viele Pflanzengifte eingesetzt.
 
Welche Auswirkungen haben die Pestizide im Baumwollanbau auf Menschen und Umwelt?
Der massive Einsatz von Pflanzengiften auf den Baumwollfeldern vernichtet nicht nur Schädlinge, sondern auch zahlreiche Nützlinge und für die Bodenfruchtbarkeit wichtige Bodenlebewesen. Außerdem kontaminieren die Giftstoffe vielerorts Flüsse, Seen und das Grundwasser. 99 Prozent der Baumwollbauern leben in Entwicklungsländern, größtenteils in sehr armen, unsicheren Verhältnissen. Sie produzieren etwa 75 Prozent der weltweiten Baumwollernte. Oft fehlt diesen Menschen das nötige Wissen und die Ausrüstung, um sich und ihre Familie vor den gesundheitsgefährdenden Pestiziden zu schützen. Die Anleitungen und Warnungen auf den Verpackungen sind oft auf Englisch, sodass die ländliche Bevölkerung diese gar nicht versteht. Außerdem können viele Bauern weder lesen noch schreiben. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit pro Jahr 20.000 Menschen an Pestizidvergiftung in der Landwirtschaft.
 
Wie sind die Arbeitsbedinungen für die Menschen auf den Baumwoll-Feldern?
99 Prozent der Baumwollbauern leben in Entwicklungsländern und produzieren 75 Prozent der weltweiten Baumwolle. Die meisten von ihnen sind Kleinbauern oder Tagelöhner, die auf den Feldern eines Grundbesitzers schuften. Geerntet wird meist von Hand.
Am Ende der Plackerei winkt ein unsicherer Hungerlohn. Zum einen besteht immer das Risiko von Ernteausfällen, zum anderen sinkt der Weltmarktpreis für Baumwolle stetig und ist großen Schwankungen ausgesetzt. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeiterorganisation müssen 98 Millionen Kinder weltweit in der Landwirtschaft arbeiten - auch auf den Baumwollfeldern. Gewalt durch die Arbeitgeber und gesundheitliche Beschwerden durch die körperlich harte Arbeit und den Kontakt mit Pflanzengiften sind alltägliche Realität der „Kindersklaven".
 

 
 
 

Textil-Siegel und „faire“ Kleidungsshops